• Mona Weinmeister

Let’s talk money – Was kostet eigentlich Live-Musik?


Fotocredits: Hannah & René


Ich will heute ehrlich mit euch sein – und transparent. Seit meinem Eintritt in die Selbstständigkeit vor drei Jahren gibt es eine Frage, die mich tagtäglich beim Verfassen von Angeboten begleitet: Welchen finanziellen Wert hat die Leistung, die ich meinen Kunden/meinen Kundinnen für eine angefragte Leistung anbiete? Wo wir in so vielen Lebensbereichen schon offen und transparent kommunizieren, scheint es in Kreativbranchen immer noch große Uneinigkeit über Richtwerte für Angebote und Mindestgagen zu geben. Preise sind daher vor allem eines: eine bunte Palette von Billigstangeboten zu unfassbar niedrigem Lohn bishin zu Exklusivangeboten am anderen Ende der Preisliga. Und wir kennen sie doch alle, die Geschichten über den 10-Personen-Chor, der für 7 Lieder 150 € verlangt. Die 5-köpfige Band, die abends 8 Stunden die Party schmeißt und nur 600 € gekostet hat und das Trio das auf dem Dorffest immer gratis auftritt, weil es ja ‚so gute Werbung’ ist. Wo also fängt man an, aufzuklären? Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Denn es gibt viel aufzuräumen, das Feld ist riesig und es gibt kaum allgemein gültige Richtlinien. Ich will es aber heute versuchen und möchte transparent aufzeigen, warum hinter vermeintlich kurzen Engagements ein breites Spektrum an Arbeitsleistung stecken kann. Es folgt also eine offene Erklärung, woraus sich mein Preis tatsächlich zusammensetzt. Und Spoiler Alert: Es ist nicht nur die Summe aller Spielminuten...


Wofür bezahlt ihr einen Musiker/eine Musikerin?

Die Leistung, die ihr bezahlt, wenn ein Musiker/eine Musikerin auf eurer privaten Veranstaltung auftritt, lässt sich einteilen in die Arbeitzeit im Vorfeld, jene am Veranstaltungstag selbst und in allgemein immer miteinberechnete Leistungen.


1. Leistungen im Vorfeld

  • Reservierung eines Termins über einen langen Zeitraum (tlw. bis zu 2 Jahre): Ja, bereits die Reservierung eines Datums kostet in vielen Fällen auch Geld – vor allem bei Daten, die sehr hoch im Kurs sind (Samstage im Sommer), muss man mit höheren Kosten rechnen, da dieser Termin exklusiv reserviert wird.

  • Kommunikation im Vorfeld: Das reicht von der ersten Angebotsstellung bishin zur Vertragsausstellung, E-Mail Kommunikation, Telefonaten, privaten Treffen, Skype-Gesprächen, etc. Bei manchen Engagements nimmt dieser Teil der Arbeit sogar noch mehr Zeit ein, als die Proben.

  • Einstudieren: Sobald ich spezielle Wünsche zur Programmgestaltung erhalte, beginne ich auch meistens damit, die Songs frühzeitig einzustudieren, Stücke zu transkribieren und zu üben, damit ich mitten in der Saison keinen Stress bekomme und bereits eingespielter mit neuen Stücken bin.

Bitte beachtet, dass diese Arbeitszeit auch angefallen ist, wenn jemand eine Veranstaltung auf Grund Corona absagt. MusikerInnen habe in vielen Fällen bereits Arbeit geleistet, die auch entlohnt werden muss, selbst wenn das Engagement 2-3 Monate vorher abgesagt wird.



Fotocredits: Hannah & René

2. Leistungen kurz vor bzw. am Tag der Veranstaltung

  • Probe: Nachdem man das Programm selbst einstudiert hat, finden vor dem Gig zusätzlich gemeinsame Proben mit Mitmusikern/Mitmusikerinnen statt. Man mag vielleicht denken, dass eine Probe für ein paar Songs nur 15 Minuten dauert, aber dem ist nicht so. Für mich ist es aber absolut verständlich, dass man als Außenstehender hier eher weniger Bescheid weiß, vor allem wenn man keine Berühungspunkte mit dem aktiven Musizieren hat. Auch hier herrscht eindeutig zu wenig Transparenz, wie zeitaufwändig es sein kann, Stücke und Stimmen zu arrangieren, Einsätze und Abläufe zu proben, sich hineinzufinden als Besetzung, vor allem wenn man einen Song nicht einfach nachspielen, sondern oft auch neu interpretieren möchte. Ihr könnt hier also locker mit einigen Stunden Probenaufwand rechnen.

  • Zeit am Veranstaltungstag: Mein Veranstaltungstag beginnt nicht erst vor dem Mikro wenn alle Gäste lauschen, sondern meistens früh morgens, wenn ich mein Equipment aus meiner Wohnung ins Auto schleppe, was bei einem normalen kleinen Auftritt mindestens eine halbe Stunde dauert, bei großen Gigs kann sich das Tetris-Spiel schon mal bis zu 1,5 h ziehen. Hinzu kommt die individuelle Anfahrtszeit, 2 Stunden Aufbau und Soundcheck (bedenkt auch, dass MusikerInnen ja bereits fertig sein müssen, wenn Gäste eintreffen, daher diese lange Zeit), der Abbau und die Heimfahrt. Die eigentlich aktive Spielzeit macht dabei meist nur den geringsten Aufwand aus.


3. Leistungen, die immer miteinberechnet werden müssen

Diese hier ist meine Lieblingsliste. Voll mit Ausgaben und finanziellen Verpflichtungen, über die keiner gerne spricht, aber die uns Selbstständige nach Gagenerhalt direkt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbefördern. Auch ein kleiner Teil dieser Ausgaben muss durch meine Bezahlung abgedeckt werden.

  • Krankenversicherungsbeiträge

  • Steuern & Kosten für Steuerberatung

  • Kauf & Wartung des Equipments

  • Persönliche Weiterbildung (Gesangsunterricht, etc.)

  • Werbung, Marketing, Videoproduktion, Hörprobenproduktion, Fotoshootings, laufende Kosten für Homepage


Berechnung am Beispiel: Arbeitszeit für die Begleitung einer Trauung im Duo

Um euch oben genannte Punkt noch besser zu veranschaulichen, habe ich bei einer Trauung letzten Juli mal genauer mitgerechnet und möchte euch gerne meine Ergebnisse veranschaulichen:


- 3 Stunden Kommunikation im Vorfeld

- 1,5 Stunden Üben als frühe Vorbereitung für spezielle Wunschsongs

- 2 Stunden Proben des Programms für die Trauung mit einem Mitmusiker

- 2 Stunden Einladen & Anreise zum Veranstaltungsort

- 1,5 Stunden Aufbau & Soundcheck

- 1,5 Stunden vor Ort um zu spielen

- 2 Stunden Abbau und Heimreise ______________________________________________________________________


Durch Performance für die Veranstalter sichtbare Arbeitszeit: 5 Lieder

Tatsächliche Arbeitszeit: 14 Stunden



Wie weiß ich, ob das Angebot, das ich erhalten habe, in einem fairen Rahmen liegt?

Für die Zukunft würde ich mir vor allem gerne mehr Transparenz seitens der DienstleisterInnen wünschen, vor allem in Bereichen wie Live-Musik, wo es für Menschen, die mit musikalischen Tätigkeiten keine Berühungspunkte haben, sehr schwer einschätzbar ist, welcher reale Zeitaufwand dahinter steckt. Ich würde mir wünschen, dass Preise keine geheimen Vereinbarungen sind, sondern es so wie in anderen Berufssparten auch Kunden/Kundinnen bei der Anfrage bereits klar ist, in welchem Rahmen sich faire Preise ungefähr bewegen. Ich persönlich würde euch empfehlen, mehrere Vergleichsangebote aus ähnlich professionellen Kreisen direkt bei den Dienstleistern einzuholen und jegliches Nachforschen in Facebook-Gruppen oder Internetforen zu vermeiden - ich habe dort noch nie brauchbare und realistische Erfahrungsberichte über Preise gefunden sondern es haut mich regelmäßig vom Hocker wenn ich wieder einmal inmitten solcher Beiträge lande. Seid nicht bei teuren Angeboten kritisch, sondern eher bei sehr günstigen und hinterfragt diese. Zusätzlich würde ich hier gerne die Richtwerte für Mindestgagen der Music Austria verlinken und kann sowohl Veranstaltern/Veranstalterinnen als auch Musikern/Musikerinnen empfehlen, dort mal vorbeizuschauen und sich über derzeitige Empfehlungen für Mindesthonorargrenzen zu informieren (https://www.musicaustria.at/mindesthonorarempfehlungen-und-kollektivvertraege-im-musikbereich/)




Fotocredits: Hannah & René